Ausschnitt aus einem Zeitungsartikel der DAZ mit dem Titel: 'Kraftfahrverbot für Juden.'
Bereits seit dem 04.12. 1938 war es Juden verboten, Kraftfahrzeuge zu fahren oder zu besitzen.



Schon vor dem Verbot der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel von 1942 gab es Einschränkungen in diesem Bereich:


Aushang mit dem Betreff: Beförderung von Juden auf den Verkehrsmitteln der BVG

"Den Juden ist demnach die Benutzung von Straßenbahnwagen, Omnibussen und U-Bahnzügen auch weiterhin gestattet. Bei starkem Andrang dürfen jedoch Juden Straßenbahnwagen, Omnibusse und U-Bahnzüge nicht besteigen, wenn sonst andere Fahrgäste zurückbleiben müßen. Die Juden müssen dann also zurücktreten und anderen Fahrgästen den Vortritt lassen."

"Weiter dürfen Juden grundsätzlich Sitzplätze nur einnehmen, wenn diese nicht von anderen Fahrgästen benötigt werden. Sie müssen also gegebenenfalls ihre Sitzplätze anderen Fahrgästen, die sonst stehen müßten, einräumen."




Rosel Bibo

Ein Foto von Rosel Bibo.

geboren 1913 in Basel, lebt seit ihrer Kindheit in Berlin. Von 1942 bis 1945 wurde sie von einer Freundin in der Nähe von Berlin versteckt.
Frau Bibo wohnt bis heute in Berlin. Über ihre Erlebnisse in der S-Bahn während des Nationalsozialismus erzählt sie:

"Einmal bin ich auf dem Bahnhof und will einsteigen und da macht einer die Tür auf und schreit: 'Du Judensau kommst hier nicht rein'. Da bin ich natürlich mit Herzklopfen gerannt in einen anderen Wagon, wo man mich reingelassen hat. Also man war Freiwild, auf alle Fälle. Also das, muß ich sagen, waren ganz, ganz schlimme tragische Erlebnisse unter den vielen tragischen, die man ausgestanden hat.(...)"



Ein Jugendfoto von Inge Deutschkron.

Inge Deutschkron

"...Auch ich wäre der Fabrik gerne entronnen, aber ich ahnte nicht, wie das anzustellen wäre. Ich war sehr jung, gesund, und eine Krankheit, die mich von IG-Farben hätte befreien können, fiel mir nicht ein, obgleich ich immerzu darüber grübelte. Wie ich auf die rettende Idee kam, kann ich heute nicht mehr sagen. Eines Morgens zog ich zur Arbeit Schuhe mit den höchsten Absätzen an, die ich je in meinem Leben getragen habe. Zehn Stunden stand ich an der Maschine, drei in der Straßenbahn von und zur Arbeitsstelle. Juden war das Sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln untersagt. Die hohen Absätze wurden zu einer Tortur. Nach drei Tagen konnte ich mein rechtes Knie nicht mehr bewegen. Meine Mutter war außer sich. Sie fürchtete, ich könnte der Sabotage verdächtigt werden. Ich mußte zum Arzt..."

 Ein Bild von einem aufgenähtem Judenstern. "...Ein kleiner, untersetzter Mann erhob sich von seinem Sitzplatz in der U-Bahn. 'Ich bitte sie darum, sich sofort zu setzen!' sagte er sehr laut und energisch, indem er mit der linken Hand auf den Sitzplatz wies, den er mir anbot. Die meisten anderen Fahrgäste taten so, als hörten sie nichts. Die U-Bahn war voll besetzt wie an jedem Morgen um diese Zeit vor Beginn der Arbeit. Ich war nur eine von vielen, die stehen mußten. Sicherlich hätte der Mann nicht gerade mir seinen Platz angeboten, wenn ich nicht an jenem Morgen das erste Mal einen 'Judenstern' getragen hätte... Nicht jeder war so mutig, wie der Herr, der mich zwingen wollte, seinen Sitzplatz einzunehmen. Erst als ich ihm zuflüsterte, daß es mir gesetzlich verboten sei und nicht er, sondern ich Gefahr liefe, bestraft zu werden, gab er nach..."

(Inge Deutschkron: Ich trug den gelben Stern. Köln 1978)